Thomas Promny

Online-Mittelstand in Deutschland

Erfolgreiche Gründer der Internet-Branche im Gespräch

Freise, Ostermayer, Rehling

Handy.de, blau.de

Freise, Ostermayer, Rehling Das einzige Gründerteam, das unbedingt gemeinsam in diesem Buch auftreten wollte – auch das ist bezeichnend für Dirk Freise, Martin Ostermayer und Thorsten Rehling. Seit über 16 Jahren gehen sie einen gemein­samen unternehmerischen Weg. Auf diesem lagen neben zwei spektaku­lären Gründungen und Exits mit Handy.de und blau Mobilfunk auch noch ein sehr vielversprechender VC-Fonds, den die drei aktuell führen. Was macht diese drei Männer zu so einem unternehmerischen Dreamteam?

Dirk, Martin und Thorsten, vielen Dank, dass Ihr Euch Zeit genommen habt. Shortcut Ventures ist Euer drittes erfolgreiches Unternehmen – wie habt Ihr Euch gefunden und Euer erstes Unternehmen gegründet?
Martin: Uns verbindet der Zufall, dass wir alle 1998 in den USA waren, um unsere MBAs zu machen, Dirk und Thorsten in Berkeley, ich in San Francisco. Dirk kannte ich bereits aus dem BWL-Studium in Hamburg und habe so Thorsten kennengelernt. Dieser hatte in weiser Voraussicht mit seinen beiden Brüdern und seinem Vater ein paar interessante Internet-Domains gesichert, unter anderem auch Handy.de. Als er eine Kaufoption auf diese Domain erhielt, ist schnell die Idee entstanden, selbst ein Business daraus zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt hat wohl niemand geahnt, dass uns das über einen so langen Zeitraum verbinden und zur mittlerweile dritten gemeinsamen Firma führen würde.
Warum habt Ihr für Euch beschlossen, dass Ihr zusammenbleiben solltet? Und habt Ihr ein Geheimrezept für diese erfolgreiche Zusammenarbeit?
Thorsten: Ich glaube, dieses eine Erfolgsrezept gibt es nicht, da spielen mehrere Komponenten mit: Erstens haben wir schnell erkannt, dass die kleinen Abstriche bei der Zusammenarbeit durch Kapazitäts-, Geschwin­digkeits- und Gedankenvorteile ausbalanciert werden – unterm Strich schneiden wir gemeinsam viel besser ab als alleine. Zweitens haben wir in den letzten 16 Jahren nicht nur Stärken ausgespielt, sondern viel von und über uns gelernt: Wir gehen offen mit unseren Schwächen um und können sie so viel besser kompensieren. Drittens spielt auch unser weiteres Team hierbei eine Rolle. Wir sehen unsere Leute nicht nur als Erfüllungs­gehilfen, sondern als vertrauenswürdige Erweiterung dessen, was wir drei haben und machen. Und schließlich ist auch unsere zugrundeliegende Motivation entscheidend: Die Firmen sollten erfolgreich sein, aber primäres Ziel war nie, Geld zu verdienen. Wir wollten stattdessen immer etwas aufbauen, etwas verändern, feste Strukturen aufbrechen. Martin: Und last but not least sind wir relativ heterogen, haben nicht die eine gleiche Denkschule hinter uns, jeder hat seine Stärken: Dirk ist unser Technik-Experte und da jede unserer Firmen sehr technik­fokus­siert war, eine riesige Basis. Thorsten kann jeden Deal der Welt eintüten und ist somit für unseren Vertrieb essentiell. Und ich füge die Einzelteile eines Unternehmens sehr gut in eine funktionierende Organisa­tion zusam­men. In der Summe ergibt all das ein perfektes Bild und bringt uns stets eine hohe Geschwindigkeit. Dirk: Dabei sind wir aber nicht zu heterogen, sondern haben den Sweet Spot perfekt getroffen: So unterschiedlich, dass wir unsere Expertisen per­fekt ergänzen, und so ähnlich, dass wir uns nie fremd sind in dem, was wir tun. Deshalb ist unser gegenseitiger Respekt auch so wichtig, wir tolerie­ren die Andersartigkeit des jeweils anderen. So manche Entscheidung ging mit 2:1 aus, doch selbst nach heftigen Diskussionen war die dritte Person immer bereit, den Weg mitzugehen, ohne die anderen anzuzweifeln oder sich ausspielen zu lassen. So ist unserem Team auch immer klar, dass wir alle drei hinter unseren Entscheidungen stehen, das ist für die Firmen­kultur sehr wichtig.
Wie genau kam es dazu, dass Ihr mit Handy.de gestartet seid, was war der Plan und wie hat er sich entwickelt?
Dirk: Der Plan lag eigentlich auf der Hand: Mit der Domain Handy.de kann man idealerweise Handys verkaufen, also haben wir entsprechende Verträge mit Telcos, also mit Telekommuni­kationsunternehmen abgeschlossen. Allerdings ist uns aufgefallen, dass man erst nach ca. zwei Jahren wieder ein neues Handy kauft und die Leute unsere Domain bis dahin vergessen haben. So sind wir auf Logos und Klingeltöne gestoßen und haben angefangen, für den Content kleines Geld von den Nutzern zu nehmen. Nach drei Monaten bedeutete dieses kleine Geld mehr Umsatz als die eigentliche Businessidee, also haben wir uns auf dieses Mobile-Entertainment-Gebiet fokussiert und das weiterentwickelt. Martin: Wobei wir wahre Pioniere auf diesem Gebiet waren, Jamba gab es damals noch nicht. Wir sind allerdings relativ schnell als Dienstleister für andere Telcos und nicht als B2C-Marke tätig geworden. Thorsten: Wir haben das Ganze auch eher aus der Not gestartet, denn unsere Domain – die seinerzeit für 100 DM im Monat an einen Internet­shop in Flensburg vermietet war – wurde wieder frei, weil der Internetshop meinte, das lohne sich nicht. Parallel haben wir noch an Klassenprojekten in Berkeley gesessen und einen Businessplan geschrieben, während Martin schon Mut bewiesen und in Deutschland Kapital besorgt hat. Immerhin hat diese Not uns nie dazu verleitet, überteuerte TV-Werbung oder Ähnliches zu kaufen. Wir sind froh, den Weg der Dienstleistung eingeschlagen zu haben, nach ein paar Jahren haben wir schließlich in 16 Ländern mit Abrechnungs- und Content-Plattformen für Mobilfunk-Unter­nehmen 95% des Umsatzes gemacht und das hatte mit der ursprünglichen Seite Handy.de überhaupt nichts mehr zu tun.
Im vollständigen Interview erzählt Freise, Ostermayer, Rehling noch viel mehr interessante Geschichten und einige Erfolgsgeheimnisse. Außerdem gibt es im ganzen Buch noch 19 weitere interessante Unternehmer/innen kennenzulernen.

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