Thomas Promny

Online-Mittelstand in Deutschland

Erfolgreiche Gründer der Internet-Branche im Gespräch

Dr. Friedrich Schwandt

Statista

Dr. Friedrich Schwandt Als ehemaliger Berater sieht Dr. Friedrich Schwandt nicht unbedingt wie der typische Internet-Unternehmer aus. Dennoch hat er bereits den Wert von Daten erkannt, lange bevor „Big Data“ oder „Daten sind das neue Öl“ so große Schlagworte geworden sind. Aktuell ist er dabei, mit seiner genialen Idee Statista die Welt zu erobern. Statista aggregiert wirtschaftlich relevante Daten zu so unterschiedlichen Themen wie dem deutschen Erdbeermarkt oder der Verbreitung von Smartphones in Afrika. Die Daten werden ansprechend und benutzer­freundlich aufbereitet und im Abo an mittlerweile tausende Kunden – darunter auch viele Beratungsunternehmen – verkauft.

Friedrich, wann und wie entstand bei Dir die Idee, Online-Unternehmer zu werden?
Um die Jahrtausendwende herum wollte und musste ich etwas verändern, aber da ich damals noch relativ risikoavers war, bin ich zunächst als Berater zu Boston Consulting (BCG) gegangen. Dort war ich viele Jahre lang beratend tätig, insbesondere im Medienumfeld von Axel Springer, Pro­Sieben etc. Und hier drehte sich schon sehr früh alles um das gleiche Thema: „Oh Wunder, das Internet kommt! Wie können wir neue Geschäftsmodelle entwickeln?“ Am Anfang stand der Aspekt Bedrohung gar nicht im Fokus, sondern vielmehr die Frage, was wir jetzt mit dieser riesigen Chance Internet anfangen. Dabei sind ein paar feine Sachen wie Musicload von T-Online, Bild Mobil und Tchibo Mobil Netz herausgekommen. Außerdem haben wir ein starkes Netzwerk aufgebaut – und vor allem an der Idee gearbeitet, wie man mit dem Internet Geld verdienen kann.
Wann hat sich die Idee dazugesellt, dieses Geld nicht mehr über ein Angestelltenverhältnis zu verdienen?
Nachdem ich acht Jahre lang bei BCG war, kam die Idee auf, sich selbstständig zu machen. Da gleichzeitig der Mut für völlig Neues noch nicht groß genug war, eröffneten wir zunächst eine eigene Beratung, die sich auf neue Geschäfts­modelle im Medienbereich fokussierte. 2007, also drei Jahre und mehr als fünf­zehn Mitarbeiter später, war klar, dass wir hier durchaus auch unser eigenes Geld verdienen können. Also haben wir entschieden, uns mit einem skalierbaren Modell selbstständig zu machen.
Ihr wolltet ein eigenes Produkt entwickeln?
Ja. Schon damals war klar, dass wir etwas tun wollten, bei dem wir nicht nur das Internet, sondern auch den gesamten Markt, mit dem wir es zu tun haben, verstehen. Das war sehr naheliegend: Berater stehen immer wieder vor der Situation, eine Hypothese belegen, den Markt verstehen zu wollen – und das möglichst schnell und einfach. Aber es gab dafür bislang keine Anlaufstelle im Internet. Bei BCG wie auch bei den eigenen Beratungen hatten wir sehr viele Datenbanken, die aber nicht so aufgebaut waren, wie wir es heute von Google kennen: Man konnte nicht alles sofort finden, was man suchte, noch dazu aufbereitet, direkt nutzbar. Wir wussten gar nicht, was da überall drin stand, die Datenbanken waren alle unterschiedlich strukturiert.
Und das habt ihr als Ausgangspunkt für eure Arbeit aufgegriffen?
Genau, das brachte uns relativ früh auf die Idee, als zentrale Anlaufstelle zu fungieren. So haben wir Statista entwickelt, ein Portal, in dem man alle relevanten Statistiken zu einem Markt und die Treiber dahinter in einem Land – zunächst natürlich Deutschland – findet.
Erzähl doch noch etwas zu dem Gründerteam, wer war das genau?
Wir waren zwei Gründer, Tim Kröger und ich. Wir haben zusammen die Idee entwickelt und waren das treibende Management. Um uns herum gibt es noch das erweiterte Gründerteam Hubert Jacob und Thilo Loewe. Mit beiden sind wir sehr eng befreundet, sie haben unsere Gründung finanziell und/oder technologisch gefördert.
Wie genau funktioniert euer Angebot bei Statista? Was bedeutet hier „Markt“?
Mit Märkten meine ich z.B. alles zu Erdbeeren, Beerdi­gungs­unter­nehmen, iPads in Deutschland und so weiter. Wir kauften von sehr, sehr vielen Quellen – wie Allensbach, Forrester, IDC etc., gegenwärtig sind es 18.000 solcher Quellen – große Datenmengen auf und stellten sie in die Datenbank ein. Das Besondere ist, dass jede einzelne Statistik als eigene Einheit gilt und so aufbereitet ist, dass man sie sehr leicht über eine Such­maschine findet.
Wie steht es um Angebot und Nachfrage? Zuerst das Angebot: Ihr musstet Partner finden, die Daten zu einem Thema haben, die ihr dann aufbereiten konntet?
Genau. Zunächst hat man immer eine Vorlaufzeit von zwei bis drei Jahren, bis die Datenbank wirklich steht. Das heißt, du gehst auf alle Partner zu, um an die Daten zu kommen, suchst im Internet, was man verwenden kann, was rechtlich erlaubt ist. Wenn du das aufgebaut hast, versuchst du, eine Traffic-Basis zu etablieren. Darüber funktioniert erst die ganze Lead-Generierung: Die entsprechenden Leute müssen dich finden, sich anmelden. Dann fängst du an zu verkaufen.
Im vollständigen Interview erzählt Dr. Friedrich Schwandt noch viel mehr interessante Geschichten und einige Erfolgsgeheimnisse. Außerdem gibt es im ganzen Buch noch 19 weitere interessante Unternehmer/innen kennenzulernen.

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