Thomas Promny

Online-Mittelstand in Deutschland

Erfolgreiche Gründer der Internet-Branche im Gespräch

Jan Schlüter

Mediakraft

Jan Schlüter YouTube kennt jeder – das Fernsehen der Zukunft aus dem Hause Google ist dabei, die TV-Landschaft ähnlich stark zu verändern, wie das Internet zuvor schon die Print-Landschaft verändert hat. Mediakraft kennt kaum jemand – dennoch ist das Unternehmen hierzulande einer der wichtigsten Partner von YouTube und besonders auch der dort aktiven Künstler. Anfangs wurden die Schminktipps-Teenies und Blödel-Trash-Talkshows auf YouTube belächelt. Mittlerweile sind dort viele Nach­wuchsstars entstanden, die Millionen von Fans begeistern. Jan Schlüter ist recht zufällig auf dieses Geschäftsmodell gestoßen. Wie so vielen Internet-Gründern, die neuartige Unternehmen aufbauen, war ihm lange Zeit nicht klar, welch spektakulären Erfolgsweg er eigentlich betrat.

Jan, als einer der Gründer von Mediakraft hast Du eine spannende Erfolgsgeschichte zu erzählen. Seit wann bist Du in der Online-Branche unterwegs?
Ich bin jetzt 42 Jahre alt und seit 1999 in der digitalen Vermarktung unterwegs. Ich habe eigentlich schon während meines Studiums begonnen, mich mit dem Thema Online-Vermarktung zu beschäftigen. Gelernt habe ich bei Real Media und zwar von der Pike auf. Seitdem führte mein Weg mich über verschiedene Stationen im Bereich digitale Vermarktung von Email-Marketing und Banner-Vermarktung über digital Signage zur Vermark­tung von Screens in Stores – wie beispielsweise bei McDonald’s. Ich bin nun seit 15 Jahren dabei und habe quasi jeden Aufschwung, Niedergang und Wiederaufschwung der digitalen Werbeindustrie von verschiedenen Stand­orten und Stationen aus mitbegleitet. Ich kenne sehr viele Marken, ich kenne sehr viele Agenturen und die entsprechenden Personen, die ich in diesen Agenturen von Anbeginn begleitet habe. Viele sind auch nach wie vor da, man kennt sich. Ich bin entsprechend gut vernetzt in diesem Bereich.
Aber Du warst zunächst angestellt?
Richtig, meine letzte Station, bevor ich mich 2009 selbstständig gemacht habe, war die Firma TripleDoubleU, ein klassischer Online-Vermarkter von Display Advertising, aber auch von digital Signage. Und 2009 bin ich dort tatsächlich ausgeschieden – worden. Das hatte wahrscheinlich auch etwas mit der Geschäftskrise zu tun, so oder so, ich bin gegangen worden. Im Nachhinein stellte sich dies als klarer Glücksfall heraus, aber damals war das natürlich erstmal ein Schock, ich war immer­hin seit fünf Jahren dort. Nach so langer Zeit gefeuert zu werden, führte dazu, dass ich mich sehr schnell damit be­schäftigte, wie es weitergehen könnte, wie ich weitermachen sollte – und da ist auch direkt der Name Mediakraft in meinem Kopf aufgetaucht.
Auch als das Unternehmen Mediakraft, das wir heute kennen?
Nein, das war zunächst in einem komplett anderen Kontext. Mediakraft war damals als eine Beratungsfirma angedacht. Diverse Freelancer sollten hier unter ein Dach schlüpfen und sich in Projektteams Kunden gegenüber positionieren können. Mediakraft sollte hierbei dieses Dach darstellen, das Ganze war als eine Art Franchise-System gedacht. Das habe ich auch international ausgebaut: Unter diesem Dach Mediakraft betreute ich damals nicht nur Kunden aus Deutschland, sondern auch aus Kanada, aus Israel etc. Unsere Hauptaufgabe bei der Beratung war es, den Kunden Unter­stützung zu geben, wenn es darum ging, ein Produkt in der digitalen Werbe­wirtschaft in Deutschland zu positionieren, dieses Produkt an die Agentur zu bringen. Und in dieser Form ist damals tatsächlich Mediakraft entstanden, mit einem völlig anderen Hintergrund als heute, jetzt ist eigentlich nur der Name geblieben. Aber das Ganze war eine Einzelgründung von mir – ich wusste nur nicht, was zwei Jahre später auf mich zukommen würde.
Du bist also mit Mediakraft zunächst mal in eine ganz andere Richtung gelaufen – wie ging es dann weiter?
Ja, erstmal ganz woanders hin. Ich habe hierbei jedoch relativ schnell verstanden, dass dies eine Sackgasse war: Das Thema Beratung war zumin­dest für mich kein Bereich, der in Bezug auf eine Zukunfts­perspektive sinnvoll war. Aber es war erfolgreich, deshalb habe ich das Ganze eben nicht eingestampft, es lief nach wie vor weiter – auch mich als persönlichen Berater gab es sehr lange. Aber ich habe darüber hinaus 2010 Produktkraft als Tochter von Mediakraft Networks gegründet.
Welche Idee wolltest Du damit realisieren?
Ende 2009 wurde ersichtlich, dass das Thema Produkt­platzierung von der europäischen Ebene auf die deutsche geholt und dort reguliert wurde. Sie sollte diesen „schäbigen“ Beigeschmack verlieren, erlaubt sein und unter gewissen Richtlinien auch öffent­lich verkauft werden können. Das habe ich dann relativ früh vorbereitet – wenn ich mich recht erinnere, wurde das Gesetz im April verabschie­det und im Juni habe ich Produktkraft gegründet. Der Hintergrund war, alle Formate, die quasi schon auf dem Papier existierten, an Mandanten wie z.B. Sony Film- und Fernsehproduktion zu bringen. Ich bin zu Agenturen, zu den Marken gegangen und habe gesagt, „Schaut her, wir können das mit Euch produzie­ren, so seid Ihr von Anfang an Teil dessen, was ab jetzt passiert.“
Könntest Du das laientauglich beschreiben: Wie funktioniert Produktplatzierung und warum möchten Marken das machen?
Im Grunde genommen ist Produktplatzierung ein alter Hut: Es bedeutet nichts anderes, als dass eine bestimmte Marke über eine Produktintegration Teil des Programms wird. Sie spielt also redaktionell eine Rolle und stellt einen Teil des Sets dar. Produktplatzierung oder Brand Integration liegt in ver­schiedenen Ausprägungen vor, aber für Marken ist es generell sehr span­nend, in den Content hineinzukommen. So können sie den Zuschau­ern größere Emotionalität vermitteln. Wie gesagt, das ist kein neues Thema und vor allem im Bereich Kino präsent, in den USA sicher schon seit 60 Jahren.
Im vollständigen Interview erzählt Jan Schlüter noch viel mehr interessante Geschichten und einige Erfolgsgeheimnisse. Außerdem gibt es im ganzen Buch noch 19 weitere interessante Unternehmer/innen kennenzulernen.

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