Thomas Promny

Online-Mittelstand in Deutschland

Erfolgreiche Gründer der Internet-Branche im Gespräch

Kai Wawrzinek

Goodgame Studios

Kai Wawrzinek In nur fünf Jahren haben es die Brüder Kai und Christian Wawrzinek geschafft, ein Unternehmen mit heute mehr als 1.200 Mitarbeitern aufzu­bauen. Dieses Unternehmenswachstum planen Sie in den nächsten Jahren fortzusetzen und das ausschließlich aus dem operativen Cashflow in einer extrem volatilen und hitgetriebenen Branche wie dem Online-Gaming. Sie verdienen Geld durch den Verkauf virtueller Güter in den Spielen. Und sie finden daran gar nichts so Verrücktes, schließlich sei das Spielen ein menschliches Grundbedürfnis, für das viele Menschen auch gerne Geld ausgeben. Bemerkenswert an Goodgame Studios ist zudem die Recruiting-Philosophie: Während andere viele einstellen und später wieder aus­sortieren, selektieren die Wawrzineks sehr genau und stellen nur ein, wen sie für besonders passend halten.

Kai, wie bist Du dazu gekommen, Unternehmer zu werden und mit Deinem Bruder zusammen Goodgame Studios zu bauen?
Als Unternehmer wird man natürlich nicht geboren. Ich hatte aber immer schon den Drang, unternehmerisch selbstständig zu werden. Ich wollte mir eine Geschäftsidee überlegen und diese mit einem eigenen Geschäft umsetzen. Diese Ambitionen hatte ich schon relativ früh, eine konkrete Idee aber noch nicht. Bereits nach dem Abitur wollte ich meinem Studium diese Richtung geben. BWL wäre zwar auch sinnvoll gewesen, allerdings habe ich mich doch für Jura entschieden. Erstes und zweites Staatsexamen gefolgt von der Promotion mögen der längere Weg sein, aber letztendlich ist es auch sehr gutes Rüstzeug, das man als Unternehmer gebrauchen kann. Denn es gibt immer rechtliche Fragestellungen, die gerade für junge Unternehmer zu Fußangeln werden und das Unternehmer­leben schwer machen können.
Hast Du bereits während des Studiums an Deiner Unternehmerkarriere gearbeitet?
Ja. Mit 29 Jahren hatte ich beide Examen und die Promotion abge­schlossen – und die gesamte Studienzeit schon genutzt, um ins Unter­nehmertum einzusteigen: 2003 haben wir die erste GbR gegründet, damals machte ich mein zweites Examen in Kiel, während mein drei Jahre jüngerer Bruder ebenfalls dort Zahnmedizin studierte. In dieser Zeit initiierten wir auch eine Art Round Table für Start-Up-Ideen: Einmal in der Woche haben wir uns mit Gleichgesinnten getroffen und die wildesten Ideen diskutiert. Die Konzepte waren teilweise wirklich abstrus und abwegig, aber letzt­endlich ging es darum, einfach mal zu spinnen, was man so alles machen kann. Dabei gab es schon einen starken Hang zum Internet, aber es war durchaus allgemein unternehmerisch. Mein Bruder und ich hatten aber bereits die besagte GbR gegründet und wir fingen an, Webseiten zu bauen, auch, um uns etwas für das Studium dazuzuverdienen.
Ein Jurist, der programmieren kann?
Ja, wie wohl einige meiner Generation habe ich eigene Programmier­erfahrungen gemacht. Bereits als Schüler hatte ich eine gewisse Affinität dafür, aber für einen Juristen war das in der Tat eher ungewöhnlich. Als wir dann 2003 die GbR gegründet und Webseiten gebaut haben, stellten wir schnell fest, dass diese Webseiten-Erstellung relativ langwierig ist. Zudem dauerte es lange, bis man eine gewisse kritische Masse an Usern bekam. Es schien uns einfacher, Webseiten zu kaufen. Also haben wir das als Geschäft ausgebaut und schrittweise Seiten gekauft, optimiert und an der Werbung verdient. Nach einiger Zeit hatten wir eine Größenordnung erreicht, die es uns ermöglichte, knapp 10.000 Euro für einzelne Webseiten auszugeben, das war das obere Limit und für uns ein halbes Vermögen.
Was waren das für Webseiten?
Im weitesten Sinne viel aus dem Bereich Entertainment, z.B. einfache kostenlose Spiele oder Video-Seiten, auf denen das damals lustigste Video des Tages gepostet wurde. Das waren durchaus interessante Umfelder. Und als mein Bruder und ich 2006 unser jeweiliges Studium abgeschlossen hatten, wollten wir richtig in die Selbst­ständigkeit einsteigen. Wir haben uns sechs bis neun Monate in die Vorbereitungen gestürzt, Kreativideen gesammelt, die letzten Jahre Revue passieren lassen, alles Interessante und Spannende gefiltert und überlegt, woraus man einen tragfähigen Business Case machen kann. Von Anfang an war uns wichtig, diesen Weg ohne Investor zu gehen: Wenn wir eine Idee finden, von der wir überzeugt sind, dann muss sie auch wirtschaftlich funktionieren – und wir können selbst die Richtung steuern und müssen uns nichts vorgeben lassen. Das war ein großer Wunsch.
Haben denn diese Webseiten, die ihr angesammelt hattet, schon eine gewisse Basis geboten oder war das noch immer sehr knapp zum Leben?
Es war noch immer sehr knapp. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich denke, wir hatten Einnahmen von 2.000 oder 3.000 Euro im Monat und diese Summe vielleicht auch mal als Monatsüberschuss – aber um ein Business aufzubauen, war das nicht genug. Im Endeffekt haben wir uns aber gegen einen Investor entschieden und damit auch gegen zu hohes Risiko. Wir wollten mit keiner Geschäftsidee an den Start gehen, die wir erst noch ein oder zwei Jahre hätten entwickeln müssen, um dann alles auf eine Karte zu setzen und 100% Verlust zu riskieren. Stattdessen wollten wir im Grunde genommen das fortführen, was wir schon 2003 gestartet haben – nur eine ganze Nummer größer.
Wie seid ihr dann mit diesem Entschluss weiter vorgegangen?
Wir haben im Januar 2007 alles zusammengehabt: Der Businessplan war fertig, die Finanzierung stand und wir hatten als sehr gute Partner die Hamburger Sparkasse, die KfW und die Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg. Unser Startpaket be­inhaltete 500.000 Euro. Der Tipp aus unserem Um­feld war und ist gut: Nimm die doppelte Summe von dem, was du zu brauchen glaubst. Wir haben mit 250.000 Euro kalkuliert und eben diese 500.000 Euro aufgenommen. Ganz einfach war das nicht und wir haben das Dreiviertel­jahr Vorbereitungszeit auch wirklich gebraucht. Als Folge der New-Economy-Blase der 2000er Jahre waren die Banken nämlich noch immer relativ vor­sichtig und das Zins­niveau hoch. Damals haben die Banken solche Fälle eher an VCs abgeschoben – also mussten wir sehr gut pitchen.
Im vollständigen Interview erzählt Kai Wawrzinek noch viel mehr interessante Geschichten und einige Erfolgsgeheimnisse. Außerdem gibt es im ganzen Buch noch 19 weitere interessante Unternehmer/innen kennenzulernen.

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