Thomas Promny

Online-Mittelstand in Deutschland

Erfolgreiche Gründer der Internet-Branche im Gespräch

Matthias Henze

Jimdo

Matthias Henze 1999 gab es zwar bereits Internetfirmen mit Masseuren oder eigenen Köchen – allerdings hat das damals niemand aus seinem Cashflow finanziert. Bei Jimdo – einem der größten Webseiten-Baukasten-Anbieter der Welt – gibt es das auch wieder, aber der Unterschied ist: Sie können es sich leisten und tun das auch ganz bewusst. Firmenkultur steht im Mittelpunkt. Ein glücklicher Mitarbeiter ist produktiv und bleibt dem Unternehmen idealer­weise auf Lebenszeit treu. Das ist das Ziel von Matthias Henze und seinen beiden Partnern. Erreichen können sie dies, weil sie zu den ersten gehören, die erkannt haben, dass Millionen von Menschen und kleineren Unterneh­men eine Webseite brauchen, aber dafür nicht Programmieren lernen wollen.

Matthias, Du hast als einer der Gründer von Jimdo eine spannende Unternehmensgeschichte zu erzählen. Wie hat das Ganze angefangen?
Direkt nach meinem BWL-Studium habe ich mit meinen beiden Mit­gründern unser erstes Unternehmen gegründet. Bei NorthClick haben wir ein CMS entwickelt, also ein Content Management System, mit welchem man recht schnell und ohne große Computerkenntnisse Inhalte auf einer Webseite aktualisieren konnte. Das Ganze haben wir als Web-Agentur vor­nehmlich an den kleineren deutschen Mittelstand vertrieben und beispiels­weise dem Hausärzteverband Niedersachsen eine neue Webseite mit neuem Design erstellt, die Inhalte besprochen und als Bestandteil das besagte CMS vermietet, sodass der Verband später auch ohne uns seine Webseite aktuali­sieren konnte und kann.
Wann war das ungefähr?
NorthClick haben wir Anfang 2004 gegründet, auf einem alten Bauern­hof in der Nähe von Cuxhaven. Dort sind Christian und ich zu Fridtjof gezogen, haben eigentlich von nichts gelebt und die Firma aufgebaut. Als der Umsatz schließlich reichte, sind wir nach Hamburg gegan­gen, haben das Unternehmen weiter etabliert und hätten da­von wahrscheinlich auch gut leben können.
Aber euch sind dann Entwicklungen aufgefallen, die euch dazu verleitet haben, anders vorzugehen?
Genau. Zu der Zeit haben wir zum einen gesehen, dass immer mehr Freunde von uns das CMS als typischen Webseiten-Baukasten benutzten. Beispielsweise haben ein paar unserer Kumpel mit unserer Software ihre Segeltörn-Webseite erstellt, per Satellitentelefon mitten auf dem Atlantik Bilder geschossen und diese dann ganz aktuell auf die Webseite geladen etc. Immer mehr Leute haben unsere Software immer intensiver genutzt. Zum anderen haben wir den Durchbruch des Web 2.0 erkannt. Da ging es richtig los mit Blogs, Facebook oder damals auch noch StudiVZ, wo man eben einfach und kostenlos seine Inhalte publizieren konnte. Wir haben uns dann auf dem internationalen Markt umgeschaut und gesehen, dass unsere Software eigentlich noch viel mehr kann, als im Bereich kleiner Mittelstand in Deutschland in einer Agentur zum Einsatz zu kommen. Also haben wir uns entschieden, das vollständig automatisiert als Webseiten-Baukasten zu konzipieren und anzubieten – so wurde Jimdo Anfang 2007 aus NorthClick gegründet. Zunächst haben wir in der Testphase geschaut, ob das Produkt auch wirklich ankommt. Und das tat es, sehr gut sogar, also haben wir uns darauf konzentriert. Wir haben all unsere Kunden letztendlich zu Jimdo mit­genommen, schließlich haben sie uns das Ganze eigentlich erst ermöglicht, entsprechend wollten wir sie nicht im Regen stehen lassen.
Wo steht ihr heute, wie viele Mitarbeiter habt ihr, wie groß ist euer Umsatz?
Wir sind derzeit gute 180 Mitarbeiter an drei Standorten: Ca. 160 hier in Hamburg, zehn in San Francisco und zehn über eine Partnerschaft in Japan. Es gibt mittlerweile über zwölf Millionen Webseiten, die mit Jimdo erstellt worden sind – und zwar in neun Sprachen. Das sind unsere aktuellen Kern­kennzahlen. Über Umsatz und Gewinn sprechen wir nicht.
Aber ihr seid profitabel?
Ja, wir sind profitabel. Das sind wir seit Ende 2009 und wachsen seit­dem aus dem Cashflow. Seinerzeit, das war 2008, ist United Internet als Investor eingestiegen, und in dem Zuge ist auch eine Kooperation mit 1&1 gestartet. Der Webseiten-Baukasten, den 1&1 heute vermarktet, basiert auf einer alten Version von Jimdo. Allerdings hat die Kooperation damals nicht funktioniert, deshalb haben wir uns entschieden, die Anteile von United Internet Ende 2009 zurückzukaufen. Von da an war uns natürlich auch klar, dass wir profitabel sein müssen, um diesen Deal überhaupt stemmen zu können. Das war nicht einfach, aber wir haben es geschafft und sind von damals 30 Mann auf eben 180 Mitarbeiter gewachsen, ausschließlich durch unseren Cashflow. Wir haben Jimdo letztendlich mit ca. 500.000 Euro ex­ternem Kapital aufgebaut – im Grunde genommen sind wir ein sogenanntes Bootstrap-Unternehmen, also fast ausschließlich aus Eigenmitteln gewachsen.
Diese 500.000 Euro waren von 1&1 oder gab es noch einen anderen Investor?
Naja, am Anfang sind wir mit Business Angels gestartet, zudem hat uns 2007 noch ein anderer Investor, der European Founders Fund Geld gegeben. Aktuell sind nur noch die Samwer-Brüder dabei, die Angels haben wir auch alle herausgekauft.
Wie gut funktioniert das mit dem European Founders Fund? Die Samwers haben ja keinen uneingeschränkt netten Ruf?
Die Zusammenarbeit ist super, wir können da nichts Negatives zu sagen. Wenn wir Hilfe brauchen, bekommen wir Unterstützung, aber an­sonsten können wir unser Ding machen, unser Unternehmen so aufbauen, wie wir das gerne möchten.
Im vollständigen Interview erzählt Matthias Henze noch viel mehr interessante Geschichten und einige Erfolgsgeheimnisse. Außerdem gibt es im ganzen Buch noch 19 weitere interessante Unternehmer/innen kennenzulernen.

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