Thomas Promny

Online-Mittelstand in Deutschland

Erfolgreiche Gründer der Internet-Branche im Gespräch

Matthias Schrader

SinnerSchrader

Matthias Schrader Die Firma nach den Gründern zu benennen, ist in der Online-Branche ziemlich unüblich und wird von den meisten als nicht „fancy“ genug und viel zu altmodisch betrachtet. Matthias Schrader allerdings verkörpert mit seiner Agenturgruppe SinnerSchrader eine Solidität, zu der das wieder passt. Trotz einer turbulenten Phase mit Börsengang und Milliardenbewertung ist er immer ein bodenständiger Typ geblieben. Heute ist das Unternehmen einer der großen „Zulieferer“ für die deutsche Online-Branche und ent­wickelt digitale Lösungen für viele große Kunden.

Matthias, vielen Dank für die Einladung. Du bist 1967 geboren und damit einer der Älteren in diesem Buch, aber Du bist ja auch schon sehr lange in der Online-Branche. Wie ist es dazu gekommen, dass Du als Unternehmer in den Internet-Hype hineingezogen wurdest?
Die Computerbegeisterung begann bei mir schon Anfang der 80er Jahre – mit dem Commodore VC 20, dem Vorgänger des legendären C64. 1985 stolperte ich über die Hackerbibel des Chaos Computer Club und bastelte mir mit Muffen aus dem Sanitärfachhandel meinen ersten Akustikkoppler – liebevoll „Datenklo“ genannt – und bin seitdem immer irgendwie online.
Was hat man damals im Internet gemacht?
Das Internet selbst gab es damals nur in Form relativ geschlossener universitärer Knoten. Es gab aber eine lebendige Mailboxkultur und Hobby-Netze wie beispielsweise Zerberus oder Fido. Diese Graswurzelnetze, mit denen bereits Foren betrieben sowie gemailt und gechattet werden konnte, waren quasi die Vorläufer von Facebook & Co, die erst 20 Jahre später über den großen Teich kamen.
Natürlich nicht mit dieser graphischen Oberfläche, wie man es heute kennt. Aber es war für Dich der Einstieg, der Dich begeistert hat?
Genau, das war alles textbasiert, aber der Beginn für mich – und es hat mich bis heute nicht losgelassen. Im Grunde genommen bin ich jetzt 30 Jahre online, 19 davon mit SinnerSchrader. Das nächste, was in den Jahren 1986/87 dazu­kam, war das Publizieren: Es gab damals sehr angesagte Lifestyle-Magazine wie TEMPO oder WIENER – die kennt man heute nicht mehr, aber die waren typographisch und in Bezug auf ihr Design ziemlich anspruchsvoll und revolutionär. Ich habe damals mit drei Freunden eine Schüler­zeitung gemacht und versucht, das alles auf meinem C64 und später auf einem Atari ST mit Programmen wie Signum und Calamus zu simulieren.
Es war also diese Mischung aus Grafik, Design und Programmierung, die Dich so begeistert hat?
Genau, das hat mich in den 80er Jahren enorm beschäftigt. Die Schüler­zeitung wurde zu einem echten unternehmerischen Projekt. Um die Story schnell zu erzählen: Wir wurden auf St. Pauli aufgeklärt – dort befand sich nämlich unsere Hinterhofdruckerei, bei der wir eines Tages mal wieder über die Mühen des Anzeigenvertriebs lamentierten. Kein Wunder sei das, meinte unser Lieblingsdrucker damals, bei einem Anzeigenpreis von 100 DM bei einer 200er Auflage käme für die typische Fahrschul-Anzeige ein Tausender-Kontakt-Preis von 500 DM heraus. Das ist auch heute noch, im Zeitalter des Targetings, abstrus hoch. Aber er hatte auch eine Lösung parat – wir lernten die Wunder des Fortdrucks kennen und die Tatsache, dass eine zehnfache Auflage noch nicht einmal das Doppelte kostete. So vervielfachten wir die Auflage, senkten für die Kreissparkassen und Fahr­schulen die TKPs drama­tisch und verwandelten unsere Schülerzeitung noch vor dem Abitur in das größte Schülermagazin in Hamburg.
Ihr habt also professionell an eurer Verbreitung gearbeitet?
Richtig, wir haben dann als Schüler mit 16, 17 Jahren die Schülerzeitung Smash – Schülermagazin aus dem Süden Hamburgs entwickelt, einen richtigen Verlag gegründet und die größte Schülerzeitung in Hamburg produziert, die sogar profitabel war. Mit Computern gestalten, publizieren, Grafiken bauen, Texten, online Texte beschaffen, Typographie, Recherche – daraus entstand um 1987 herum ein kleines unternehmerisches Modell. Den Verlag gab es bis 1988/89, dann fing ich an, Informatik und Geschichte zu studieren. Ab dem Zeitpunkt wurde es ein bisschen albern, nebenbei eine Schüler­zeitung zu betreiben.
Ist die Zeitung dann eingestellt worden? Und wie ist es bei Dir weitergegangen?
Ja, wir haben sie einstellt. Ich habe dann in verschiedenen Werbe­agenturen gejobbt, um mir anzu­schauen, wie das dort richtig funktioniert – allerdings wurde damals in den Agenturen noch mehr mit Fixogum-Spray als mit Rechnern gearbeitet. Mein Lieblingsthema digitales Publizieren konnte ich erst Anfang der 90er Jahre wieder so richtig ausleben, als die DTP-Welle Deutschland erfasste. Zu der Zeit fing ich neben dem Studium als freier Redakteur bei der damals und auch heute noch führenden Fachzeitschrift PAGE an.
Damit warst Du doch perfekt gerüstet für die neue Zeit?
Eigentlich schon. Das alles kumulierte 1994/95 mit Marc Andreessens Mosaic Browser und HTML – das Internet bekam eine grafische Oberfläche. Mit der Erfahrung der vorangegangenen zehn Jahre zu Typographie, Ge­staltung, Programmierung und Online-Applikation war klar: Ich will und muss Webseiten entwickeln. Das habe ich dann erstmal als Freelancer für Agenturen versucht – was eine totale Katastrophe war, 1995 konnten die mit dem Thema überhaupt nichts anfangen. Mich jedoch faszinierte Amazon und der Beginn des E-Commerce zunehmend. Dafür brauchte man aber natürlich ein ganzes Stück mehr Informatik-Verständnis, Kenntnisse über Technolo­gie, Datenbanken, Applikationen etc. Das alles wollte ich irgendwie zusam­menbringen und nutzen.
Im vollständigen Interview erzählt Matthias Schrader noch viel mehr interessante Geschichten und einige Erfolgsgeheimnisse. Außerdem gibt es im ganzen Buch noch 19 weitere interessante Unternehmer/innen kennenzulernen.

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