Thomas Promny

Online-Mittelstand in Deutschland

Erfolgreiche Gründer der Internet-Branche im Gespräch

Tarek Müller

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Tarek Müller Tarek Müller ist ein Frühstarter. Mit 14 Jahren begann seine unter­nehme­rische Laufbahn – auch wenn ihm das zunächst nicht bewusst war. Sein Aussehen ist typisch für das unkonventionelle Auftreten vieler Internet-Unternehmer: Kein Anzug und erst recht keine Krawatte, sondern lässig-modischer Freizeitlook, wie es sich für einen Unternehmer im Mode­bereich gehört. Nur seine Rastazöpfe sind noch etwas spektakulärer und machen ihn noch auffälliger. Seine Unternehmergeschichte ist – wie es viele sind – geprägt von Höhen und Tiefen. Doch wer außer ihm kann behaupten, im Alter von 18 Jahren schon vier Jahre Erfahrung gehabt zu haben, dann mit 100.000 Euro Schulden dazustehen und schließlich den Ehrgeiz zu entwickeln, diese in nur neun Monaten restlos abzutragen?

Tarek, wann und warum hat es Dich auf die Unternehmer-Laufbahn verschlagen?
Ich habe kürzlich mein zehnjähriges Jubiläum als Unternehmer gefeiert, kurz zuvor bin ich 25 Jahre alt geworden. Eigentlich habe ich aber schon vor meiner ersten Gewerbeschein-Anmeldung angefangen, mich mit dem Internet zu beschäftigen. Meinen ersten Computer bekam ich mit 13 Jahren und neben dem Spielen wollte ich recht schnell mit einem Freund zusam­men eine Art Community für Computerspieler gründen. Das war 2002. Dafür habe ich mich ein wenig mit PHP- und HTML-Programmierung beschäftigt, eine Webseite gebaut und einen Server besorgt. Auch wenn es nur um eine Summe von etwa zehn Euro ging, kam mir dabei die Idee, den Server sponsern zu lassen – und so hatte ich die erste Einnahmequelle gefunden. Das Interesse an der Community war ziemlich groß und viele Besucher kamen über Google. Um noch mehr User zu erreichen, habe ich mich mit dem Algorithmus von Google beschäftigt und versucht, bei rele­vanten Suchanfragen nach oben zu kommen. Kurze Zeit später hatte ich die nötige Reichweite, um Werbung zu integrieren. Das war mein erster Eye-Opener: Da habe ich verstanden, dass ich mit relativ einfachen Mitteln viele Besucher auf meine Plattform bekommen und wesentlich mehr Geld einnehmen kann, als ich Kosten habe.
Wie ging es nach dieser Erkenntnis weiter?
Von 2003 an habe ich weitere Internet-Communitys gegründet, unter anderem ein Fußball-Diskussionsforum, und damit ein paar hundert Euro im Monat verdient. Dann habe ich angefangen, mit dem Geld andere Diskussionsforen zu kaufen, die ähnlich groß waren, aber weder monetari­siert noch optimiert wurden. Viele dieser Webseiten waren damals noch geschlossene Communitys, ein paar tausend Leute haben sich dort aktiv und intensiv zu Special-Interest-Themen ausgetauscht. Interessant wurden diese Communitys, wenn man sie für Interessenten weltweit geöffnet hat und ihre Inhalte für Google sichtbar wurden. In meinen Communitys haben zwar nur ein paar tausend Leute aktiv geschrieben, aber es waren häufig einige hunderttausend Leute, die diese Themen über Google gesucht haben. Durch die Öffnung der Communitys schossen meine Besucherzahlen in die Höhe und meine Foren waren plötzlich begehrte Werbeplätze. So war ich in der Lage, die Kaufpreise meist innerhalb weniger Wochen wieder heraus­zuholen.
Und mit dieser Strategie hast Du dann Dein erstes Unternehmen aufgebaut?
Genau. Ich habe gemerkt, dass meine Initialstrategie mir nicht nur das Kapital für weitere Käufe verschafft, sondern ein Geschäftsmodell darstellt, das man recht einfach multiplizieren kann. Denn mit den Einnahmen konnte ich die Communitys auch technisch modernisieren, sodass ich glücklichere Nutzer hatte, die mehr Content produziert haben, was wiede­rum zu mehr Besuchern und höheren Werbeeinnahmen führte. Parallel dazu habe ich in der Schule mein Pflichtpraktikum bei einem eBay-Power­seller gemacht und dort eine Webseite erstellt. Nach dem Praktikum wollte der Chef mich für weitere Tätigkeiten bezahlen und brauchte dafür eine Rechnung. Daraufhin habe ich mir mit der Erlaubnis meiner Eltern einen Gewerbeschein besorgt und Rechnungen ausgestellt.
Hast Du vorher Deinen Gewinn gar nicht versteuert?
Nein, erstmal nicht – so was kann man eine Zeit lang als Hobby-Arbeit verbuchen. Als ich dann den Gewerbeschein hatte, habe ich aber natürlich alles nachversteuert. Für mich war das in Ordnung, denn ich hatte eine regelmäßige Gewinnabsicht. So konnte ich ab 2004 offiziell Geschäfte machen. Da war ich 15 Jahre alt.
Das ist sehr jung. An diesem Punkt hättest Du weiter schnell Geld verdienen können über die Vermarktung oder Verkäufe. Weshalb hast Du begonnen, eigene Shops aufzubauen?
In der Rückschau war es eine Erfahrung, die mich sehr geprägt hat, mein Denken sogar bis heute prägt. Ich habe begonnen, Diskussionsforen zu analysieren. Damals konnte man bestimmte Muster von URLs mit Google suchen und so hatte ich schnell eine Liste von sehr vielen Diskussionsforen, die für Suchmaschinen nicht lesbar waren, aber das Potenzial dazu hatten. Ich habe einige von ihnen gekauft, optimiert und durch die steigenden Werbeeinnahmen immer größere Umsätze aufgebaut. Das ging auch, weil ich das Google-Werbesystem AdSense intensiv genutzt habe – darüber konnte man sehr effizient Werbeplätze verkaufen. Das war etwa 2005. Als die Werbeeinnahmen sanken, habe ich mir die Werbung auf meinen Foren angeschaut und festgestellt, dass die meisten Werbetreibenden Online-Shops waren, die mit der Werbung bei mir ein extrem gutes Geschäft machten und sogar deutlich mehr Geld an Google zahlten, als ich von Google bekam. An diesem Punkt habe ich realisiert: Wenn ich Online-Shops betreibe, kann ich Werbung auf meinen eigenen Portalen schalten, ohne Google dafür etwas abgegeben zu müssen.
Im vollständigen Interview erzählt Tarek Müller noch viel mehr interessante Geschichten und einige Erfolgsgeheimnisse. Außerdem gibt es im ganzen Buch noch 19 weitere interessante Unternehmer/innen kennenzulernen.

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