Thomas Promny

Online-Mittelstand in Deutschland

Erfolgreiche Gründer der Internet-Branche im Gespräch

Thomas Wagner

Unister

Thomas Wagner Unister steht für „Uni“ und „Napster“ und sollte 2001 eigentlich eine Platt­form werden, auf der Studenten teure Fachliteratur kostenlos austauschen können. Was für arme Studenten nach einer guten Idee klingt, ist urheber­rechtlich jedoch nicht praktikabel, wie sich bald herausstellte. So wurde aus Unister eine Commu­nity für Studenten, ähnlich wie es später Facebook werden sollte. Allerdings war 2002 auch damit kein wirtschaftlicher Blumentopf zu gewinnen. Und so entstand – notgedrungen, weil dort das Geld viel näher lag – eines der größten deutschen E-Commerce-Unternehmen mit Fokus auf die Reise­branche, die bekannteste Marke des Konzerns ist Ab in den Urlaub. Thomas Wagner beschäftigt heute 1.600 Mitarbeiter und gehört zu Leipzigs größten Arbeitgebern.

Thomas, schön, Dich hier in Leipzig zu treffen. Erzähl doch mal, wie alles angefangen hat: Wie bist Du dazu gekommen, Online-Unternehmer zu werden und Unister zu gründen?
Gerne. Ich bin Baujahr 1978 und habe 1999 in Leipzig mein BWL-Studium begonnen. Nach dem Vordiplom habe ich allerdings nicht mehr weiterstudiert, weil ich inzwischen mit einem Kommilitonen Unister gegrün­det hatte. Nach dem dritten Semester haben wir Urlaubssemester genom­men und angefangen, unsere ersten Webseiten zu bauen. Dafür haben wir damals im Studentenwohnheim ein Zimmer als Büro genommen.
War das in Leipzig an der Handelshoch­schule? Die haben durchaus den Ruf, unternehmerische Vorarbeit zu leisten.
Nein, an der Handelshochschule habe ich nicht studiert, dort hatte ich nach meinem Vordiplom der Uni Leipzig einen Job als Hiwi von Prof. Kirch-Georg. Die Uni selbst war nicht wirk­lich unternehmerisch interessant, sie war kein Treiber in meiner Lauf­bahn. Der Beitrag der Handels­hochschule lag jedoch darin, dass sie damals eine neue Webseite gebaut haben. Zunächst sollte nur die Sekretä­rin des Lehrstuhls HTML lernen und die Lehr­stuhl­seiten pflegen, aber Prof. Kirch-Georg war der Meinung, das sollte jeder können, also hat er mich auch in den Kurs geschickt. Das war ein wichtiger Bau­stein: Hätte ich damals den Kurs nicht gemacht, wäre ich wohl nicht in diese Schiene gerutscht und hätte den Weg zum Programmieren gar nicht gefunden. Ansonsten waren die Tätigkeiten dort nicht sonderlich nutz­brin­gend – es war eine sehr schöne Zeit, das schon, aber für das Unter­nehmer­tum vorbereitet habe ich mich dadurch nicht gefühlt.
Das ist dennoch ein schönes Beispiel für die vielen kleinen Zufälle, die Unternehmerkarrieren prägen. Hättest Du nicht zufällig HTML gelernt, wärst Du vielleicht auf völlig andere Ideen gekommen, oder?
Absolut. Ich habe erst dort die Webseite gemacht, dann für einen anderen Lehrstuhl an der Uni Leipzig, dadurch bin ich auf diesen Weg geraten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich den Gedanken gefasst hätte, Webseiten für Studenten zu basteln, hätte ich es nicht für die Lehrstühle gemacht – mir hätten schlicht die Grundkenntnisse gefehlt. Das sind tat­säch­lich diese kleinen entscheidenden Zufälle.
War die Idee für die Studenten-Webseite damals schon von bestimmten amerikanischen Vorbildern inspiriert oder war das euer ganz persönlicher Eigenbedarf?
Es war wohl eine Mi­schung aus beidem, dem un­gedeckten Eigenbedarf und einigen Ideen von Webseiten aus den USA und Großbritannien. Es gab also durchaus verwandte Vorbilder, aber keine exakten. Wir sind damals relativ naiv an das Projekt heran­getreten – aber man muss sich auch wirklich vor Augen halten, dass wir ca. 20 Jahre alt waren. Ich hatte zumin­dest erste Erfahrungen mit der HTML-Programmierung und war also nicht komplett unbedarft. Wir haben uns alles Weitere relativ schnell selbst beige­bracht. Es war offen­sichtlich, dass wir nicht immer auf irgendwelche Freunde angewiesen bleiben konnten, wenn wir vorankommen wollten. Entsprechend haben wir uns praktisch ein Jahr eingeschlossen und nichts anderes gemacht, als an dieser Studenten­webseite zu arbeiten: Content zusammenzutragen, zu recherchieren und zu programmieren – wirklich nichts anderes, das war die arbeits­intensivste Zeit. 2002 sind wir dann mit Unister.de online gegangen, völlig naiv. Ohne eine Ahnung von Marketing haben wir Freunde mit einer Plakatkampagne losgeschickt und sind in Zweierteams durch Deutschland, um Unis mit Postern zuzu­pflastern und überall Flyer zu verteilen. Das war sehr lustig, allein, wie viel Ärger es damals mit Hausmeistern der Universi­täten gegeben hat. Das war unser Kickoff.
Wie lief das finanziell ab: Dieses Plakatieren hat wahrscheinlich gar kein Geld gekostet, weil ihr das alles in Handarbeit mit euren Freunden gemacht und ein bisschen Spritgeld bezahlt habt, oder?
Ja, fast, denn ganz ohne Geld ging es auch nicht: Das Startkapital waren 38.500 Euro, mehr hatten wir nicht – und für uns war das damals noch relativ viel Geld. Wir hatten keinen Investor, sondern haben das Geld bei Family & Friends einge­sammelt und unsere Ersparnisse genommen. Damit haben wir die ca. 10.000 Plakate und eine Viertelmillion Flyer gedruckt. Wirklich wenig war das damals eigentlich nicht.
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