Thomas Promny

Online-Mittelstand in Deutschland

Erfolgreiche Gründer der Internet-Branche im Gespräch

Tim Schumacher

Sedo

Tim Schumacher Domains sind die Grundstücke des Internets. Mit der weltweit führenden Domain­handelsplattform Sedo war Tim Schumacher sehr erfolgreich, sein Unternehmen hatte in der Spitze über 300 Mitarbeiter. Als eines von ganz wenigen deutschen Internet-Unternehmen hat er es sogar geschafft, auf dem US-Markt größer zu werden als alle einheimischen Konkurrenten. Heute gibt er seine Erfahrungen – wie viele erfolgreiche Internet-Gründer – als Business Angel und Serienunternehmer an die nächste Generation weiter. Seine derzeit wichtigste Beteiligung: Eyeo, das Unternehmen hinter einem der weltweit führenden Werbeblocker mit Namen Adblock Plus. Das ist eine Software, die es Nutzern ermöglicht, Werbung im Internet automatisch auszublenden – Ärger mit der Verlags- und Werbewirtschaft ist dabei natür­lich vorprogrammiert.

Tim, schön, dass Du Dir Zeit genommen hast. Wie bist Du dazu gekommen, Internet-Unternehmer zu werden?
Ich bin jetzt 38 Jahre alt, Jahrgang 1976, und habe sehr früh schon meinen Hang zum Unternehmertum gespürt, vielleicht schon mit sechs Jahren. Ich habe es schon immer geliebt, Sachen zu produzieren und zu verkaufen. Mit zehn Jahren habe ich mit meinem Vater eine Seifenkiste gebaut – und auf dem Dorffest andere Kinder für eine Mark damit um die Scheune gekarrt. Meine Eltern fanden das wohl eher peinlich, aber das war sehr lukrativ, es gab nämlich kein professionelles Karussell. Das steckte also immer schon in mir drin. Mit 14 oder 15 Jahren habe ich dann einen Com­puter bekommen und als mir das Spielen nach ein paar Monaten zu langweilig wurde, habe ich mit dem Programmieren be­gonnen. Mein Freund und späterer Mitgründer und ich haben dann mit 16 Jahren den Programmierer-Club Pro Amiga Club gegründet und Software geschrieben – zunächst für Amiga, dann für PCs. Dieses Gründen lag mir also schon immer.
Wie ist das dann weitergegangen, auf welche Bereiche habt ihr euch fokussiert?
Mitte der 90er Jahre haben wir unser erstes großes Projekt gestartet und einen Fußball-Manager nach dem Vorbild des Bundesliga-Managers gebaut. Wir wollten das auf unseren Lieblingsverein SC Freiburg anpassen und haben die lokale Zeitung eingebaut, das Badener Lied, alles war genau auf den Verein abgestimmt. Grafisch konnte es mit den kommerziellen Spielen damals nicht mithalten, aber es war okay, es war eher wie Shareware, es hatte dieses lokale Flair und war beliebt. Damit sind wir bei ein paar Leuten auf Interesse gestoßen, zum einen beim Verein, der das Spiel offiziell lizensiert hat, und zum anderen bei der Lokalzeitung: Der Chefredakteur war total begeistert und hat sich enorm dafür eingesetzt. So haben wir tatsächlich um die 10.000 Spiele verkauft. Der größte Teil des Geldes ging an den SC Freiburg und an die Zeitung, aber für uns und unser Alter war es eine Menge Geld und auch eine tolle Erfahrung.
Und es hat euch sicher angespornt, irgendwie weiterzumachen?
Genau. Unser erster Gedanke galt der Skalierung: Wenn der SC Freiburg das toll findet, dann finden es bestimmt auch Bayern, Dortmund, Schalke und so weiter toll. Und dann hat uns ein Software-Vertriebsmanager aus­findig gemacht und wollte unser Spiel mit den anderen lizenzieren. Er hat das ganze Lizenzgeschäft für uns abgewickelt – wir haben dann wieder nur ein paar Euro pro Spiel erhalten, aber es tatsächlich mit Bayern, Dortmund, Schalke und Düsseldorf gemacht. Köln wollte leider nicht, aber einige der Großen schon, das lief gut, auch bei Kaufhof und Karstadt waren wir gelistet. 1997/98 haben wir zwei Editionen gemacht und über 50.000 Spiele verkauft. Das war schon ganz gut, obwohl die Spiele von der Qualität her noch immer relativ schlecht waren – wir haben auch zwei, drei Verrisse von Computer-Magazinen kassiert, aber die Leute fanden es cool, weil es irgend­wie ihr Lebensgefühl ausdrückte, auf jeden Fall mehr als diese profes­sio­nellen Spiele, die aus der Retorte kamen. Wir haben uns wirklich Mühe gegeben, das auf jeden Verein anzupassen, das haben die Leute gemerkt. Das war also unsere erste Erfahrung.
Wenn auch finanziell nicht die beste?
Leider haben wir damals extrem schlecht verhandelt, nur einen Teil der Lizenz und etwa zwei DM pro Spiel bekom­men. Standardmäßig war Software damals noch sehr teuer, 60 bis 80 DM – da sind zwei DM nicht gerade viel. Buch­autoren kriegen zwar auch nicht viel mehr als 10%, aber es war dennoch mager. Allerdings haben wir immerhin 1.000 Freiexemplare heraus­gehandelt, die wir komplett selbst verkaufen konnten. Die Spiele haben sich in unseren und der Kinder­zimmer unserer Freunde gestapelt und wir haben uns gefragt, wie wir die wohl an den Mann kriegen.
Und so seid ihr direkt im Internet gelandet?
Genau. Wir haben einen Online-Vertriebskanal aufgemacht, unseren Vertriebspartner bequatscht, uns die Domain Offensiv.de zu unserem Spiel Offensiv zu kaufen – die mit 70 DM pro Monat für uns recht teuer war – und haben es dort online verkauft. So haben wir E-Commerce gelernt. Ich bin kurze Zeit später nach Köln gegangen, um BWL zu studieren, und nach zwei Editionen haben wir den Fokus ein wenig verloren und das Projekt beendet. Ich bin dann noch nach Schweden an die School of Economics, die sehr gründer­bezogen war und ist, dort herrschte Ende 1999 eine richtige Aufbruchs­stimmung: Die Leute wollten nicht mehr ins Investment-Banking oder in die Beratung, sondern gründen.
Das war dort anscheinend genau wie hier …?
Ja, aber dort war es krasser, es gab z.B. schon den Studiengang „Entre­preneurship“, es herrschte eine richtig coole Stimmung. Ich habe dort auch ein Praktikum bei Spray, einem der größten schwedischen Internet­konzerne, gemacht. Die hatten damals 3.000 oder 4.000 Leute, heute sind sie allerdings weitgehend in der Versenkung verschwunden. Zu dem Zeitpunkt haben wir überlegt, was eigentlich unser nächstes Projekt werden soll, und durch alles, was wir schon gemacht hatten, sind wir auf den Domainmarkt gekommen: Es musste doch eine Möglichkeit geben, gute Domains zu sichern und zu kaufen, dafür wollten wir im Markt eben Platz schaffen. Supergeile Idee, dachten wir, da ist sicher noch keiner drauf gekommen – unsere Suche ergab dann aber leider, dass es schon Dutzende Marktplätze gab. Die meisten allerdings waren eher unprofessionell, daher ließen wir uns zum Glück nicht abschrecken. Wir waren sicher, das mithilfe einer Meta-Strategie noch besser hinzube­kom­men, also haben wir Anfang 2000 mit unserer Suchmaschine Sedo begonnen, das steht für „Search Engine for Domain Offers“.
Im vollständigen Interview erzählt Tim Schumacher noch viel mehr interessante Geschichten und einige Erfolgsgeheimnisse. Außerdem gibt es im ganzen Buch noch 19 weitere interessante Unternehmer/innen kennenzulernen.

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