Thomas Promny

Online-Mittelstand in Deutschland

Erfolgreiche Gründer der Internet-Branche im Gespräch

Torsten Schnoor

guenstiger.de

Torsten Schnoor Preise von Produkten und Dienstleistungen online zu vergleichen ist schon lange eine Selbstverständlichkeit. Aber auch dieser Markt musste einmal erfunden und gegen verschiedenste Widerstände verteidigt werden – nicht zuletzt gegen mächtige Händler, die auf die von den Preisvergleichen geschaffene Transparenz absolut nicht gewartet haben. Da trifft es sich gut, dass Torsten Schnoor ein Mann ist, der ausdauernd um sein Recht kämpfen kann.

Torsten, schön, dass Du Dir Zeit genommen hast. Wie bist Du dazu gekommen, Unternehmer zu werden und Guenstiger.de zu gründen?
Ich bin 1976 geboren und habe eigentlich eine Ausbildung zum Immo­bilienkaufmann in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft gemacht. In diesem Beruf war ich sieben Jahre lang tätig und es war auch eine schöne Zeit, aber ich war dennoch ein wenig frustriert. Als 1998 Kostenlos.de groß in die Medien kam, bin ich entsprechend aufmerksam geworden. Zuvor hatte ich auch schon erste Anläufe mit CompuServe und BlueBoxing gestartet und mich aus privatem Interesse mit dem Internet beschäftigt. Kostenlos.de war dann auf jeden Fall die Antriebsfeder, seinerzeit bei Strato zu schauen, welche Domains noch frei sind. Billiger.de war schon weg, Guenstiger.de aber nicht. Domains mit Umlauten gab es damals noch nicht, deswegen schrieben wir es zunächst mit „ue“. Eine Domain hat noch um die 200 DM gekostet, ich und mein damaliger Partner Philipp Hartmann haben eine Weile überlegt und uns dann entschieden, die Domain zu registrieren und einen Preisvergleich zu starten.
Gab es damals schon Preisvergleiche, seid ihr von anderen inspiriert worden?
Ja, AngeboteInfo.de gab es bereits, und in den USA gab es vielleicht auch schon mySimon, das waren die ersten Inspirationen, aber auf der anderen Seite haben wir nicht die ganze Zeit da draufgeschaut, sondern einfach gedacht, Preisvergleich ist ein tolles Thema. Philipp hat gerade bei Viag Interkom als Werksstudent gearbeitet, also haben wir ein Konzept gebastelt und denen gegeben. Netzpiloten wurden finanziert, Ricardo – aber bei Preisvergleichen hieß es nur: „Komisches Thema, was wollt Ihr denn da machen …?“ Wir haben aber direkt eine Agentur gesucht und eine gefunden, die sagte, wir sollten 16.000 DM zahlen, wenn wir Erfolg haben. Wenn nicht, würden wir mal weiterschauen.
Diese Agentur hat das entwickelt und erstmal kein Geld genommen?
Ja, die haben wohl auch gedacht, es könnte eine gute Geschichte werden. Zur CeBIT 1999 sind wir live gegangen und haben einen ersten Werbekunden gehabt – zwar kaum Nutzer, aber doch so, dass wir die Agentur bezahlen konnten. Wir hatten keine Finanzierung, kein Geld, keine Marke, das war praktisch alles noch Guenstiger 1.0. Wir haben uns aber über den Titelschutz-Anzeiger als journalistisches Medium in den Markt gebracht.
Ihr habt damals Guenstiger.de im ersten Schritt eher als ein journalistisches Medium betrachtet?
Ja, das hat uns auch den Hintern ge­rettet, denn wir mussten mit MediaMarkt sehr viele Prozesse führen – eigentlich hatten wir mit ziemlich vielen Herstel­lern und Händlern der Old Economy Ärger: Guenstiger hat den Kopf heraus­gestreckt und Guenstiger hat auch ausgeteilt. Dabei hat uns dieses Journalis­tisches-Medium-Sein sehr geholfen.
Warum war das hilfreich?
Guenstiger.de lief nicht wie herkömmliche Preisvergleiche heutzutage, mit aktuellsten Produktdaten und einer Liste von Händlern, stattdessen wurde alles per Hand gepflegt: Wir haben alle Preise selbst gesucht und eingefügt, Händler-Preislisten, die man automatisiert einfließen lassen konnte, gab es zu dem Zeitpunkt gar nicht. Wir haben die teilweise von Studenten über Disketten abwickeln und hochladen, Kataloge abtippen lassen, da waren die Preise auch mal zwei Wochen alt. Und so hat MediaMarkt uns einen vor den Latz geknallt, weil wir falsche Preise veröffentlicht hätten. Schaut man sich die Verordnungen heutzutage an, hatten sie auch irgendwie Recht, aber es stand immerhin stets ein Datum der Preisrecherche daneben.
Und technisch ging es damals auch gar nicht besser, oder?
Genau, technisch ging es noch nicht besser. Trotz alledem kam dann die Frage auf, was Guenstiger.de denn nun ist und das Oberlandesgericht Hamburg hat es dann als „mediales Ereignis“ betitelt, damit konnten wir dann alles mögliche machen, uns auf das Zitatrecht berufen und bei einem falschen Preis sagen, der ist nun mal zwei Wochen alt, ist ein Fehler, ein veralteter Snap Shot, fertig. Das Ganze war ein Zwischending zwischen online und offline, man konnte das zu dem Zeitpunkt noch gar nicht richtig greifen.
Aber da wart ihr immerhin schon groß genug, um von MediaMarkt als Herausforderung betrachtet zu werden? Das ist ja auch eine Ehre.
Naja, wir waren 2000 der erste WAP-Dienst von T-Mobile im E-Commerce-Segment, das Ganze war damals wie die erste Internet-Handy-Version, Smartphone in schwarz-weiß, wenn man so will, nur langsamer und schlechter bedienbar. Aske, ein sehr schlauer Entwickler, hat uns die allererste Version programmiert, nachdem er ein paar Bücher gelesen hat – er ist dann auch Mitgesellschafter geworden, sodass wir schließlich zu dritt waren. Wir sind damit durch alle Medien gehüpft, haben viel mit Akte von SAT.1 gemacht, alle PR-Kanäle genutzt, Ladenpreisvergleiche waren plötz­lich sehr angesagt. MediaMarkt war allerdings das größte Thema, das darf man nicht vergessen, zu dem Zeitpunkt gab es diese Tiefpreis-Geschichten: Die Leute sind da reingegangen, haben ihr Handy gezückt und gesagt, „ich sehe den Preis aber günstiger“. Wir hatten also eigentlich auch Glück mit der Domain, „günstiger“ ist das attraktivere Wort – auch wenn der Umlaut schwieriger war. „Billig“ ist kein so schöner Begriff wie „günstiger“: Günstiger bedeutet, einen Artikel zu einem guten Preis zu bekommen und dennoch einen Qualitätsanspruch halten zu können. Billig ist einfach billig.
Im vollständigen Interview erzählt Torsten Schnoor noch viel mehr interessante Geschichten und einige Erfolgsgeheimnisse. Außerdem gibt es im ganzen Buch noch 19 weitere interessante Unternehmer/innen kennenzulernen.

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