Thomas Promny

Online-Mittelstand in Deutschland

Erfolgreiche Gründer der Internet-Branche im Gespräch

Wolfgang Macht

Netzpiloten

Wolfgang Macht Gestartet sind die Netzpiloten Ende der 90er Jahre mit dem Anspruch, den damals noch gänzlich unerfahrenen Internetnutzern das große, spannende WWW zu zeigen. Die Idee war durchaus plausibel, aber ein dauerhaftes Geschäftsmodell ließ sich daraus erstmal nicht begründen. In einer beinahe höllischen Berg- und Talfahrt wuchs das Unternehmen erst auf 150 Mitar­beiter, schrumpfte später innerhalb von wenigen Wochen auf acht – und wuchs in den Jahren nach der Krise wieder auf rund 100 Mitarbeiter an. Wie so viele erfolgreiche Internet-Unternehmer fand Wolfgang Macht erst nach einigen Versuchen das lohnende Geschäftsmodell: Nicht die promi­nent beworbenen Netzpiloten-Webtouren führten zum wirtschaftlichen Glück, sondern ihre allererste kleine Internet-Domain, die sie 1996 regis­triert hatten: Gewinnspiele.de war der Ausgangspunkt für die heute führenden Marketing­spezialisten für Online-Gewinnspiele.

Wolfgang, warst Du immer schon Unternehmer?
Ich bin als Sohn eines kleinständigen Unternehmers aufgewachsen, habe aber erstmal ganz brav Geschichte, Literaturwissenschaft und Jura studiert. Ich wollte immer Journalist werden. Nach dem Hochschulabschluss habe ich ab 1992 für verschiedene Zeitungen und Magazine gearbeitet und bin rückblickend gesehen zum perfekten Zeitpunkt erst als Praktikant und dann als Redakteur in das Thema Neue Medien hineingesprungen. Ob die Süddeutsche Zeitung, TV-Today oder die Woche in Hamburg – alle haben mich auf dieses neue Internet angesetzt. Und obwohl noch ziemlich unerfahren, durfte ich die Denker und Macher der ersten Stunde treffen und inter­viewen – zum Teil natürlich auch deshalb, weil damals kaum jemand wusste oder ahnte, mit was für tollen Leuten man es da zu tun hatte.
Du hattest schon das Gefühl, dass da etwas Größeres kommt?
Auf alle Fälle. Wenn du so visio­nären Menschen wie Esther Dyson oder Linus Torvalds im intensiven Interview begegnest, dann kannst du nicht anders als total elektrisiert zu sein von dieser unglaublichen neuen Welt, die gerade heraufzieht. Am täglichen Arbeitsplatz in der Redaktion war das aber nicht unbedingt leicht zu vermitteln. Ende der 90er Jahre wurde dort zum Teil noch diskutiert, ob dieses Internet nicht total überbewertet sei und besten­falls eine Art neues Telefon würde: Die digitale Revolution wurde regel­mäßig als riesige Über­treibung belächelt. Ich hatte das Glück, für Gruner & Jahr sehr früh schon eine deutsche Version des US-Magazins Wired als Entwicklungsredakteur machen zu dürfen. Das hat mir sehr früh einen tollen Überblick über die weltweiten Trends und Entwicklungen gegeben.
Und das war im Jahre 1996?
Ja, und das war im Grunde mein Ticket für den Eintritt in die deutsche und internationale digitale Welt. Meine Sozialisation im Journalismus fiel genau mit der wachsenden Bedeutung von Multimedia zusammen. Dabei darf man nicht vergessen, dass damals Multimedia noch gar nicht so sehr Internet-dominiert war, Multimedia bedeutete zu der Zeit auch ganz stark CD-ROM, Software-Programme und natürlich Hardware.
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Das klingt nach großer Umbruch-Stimmung …
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Total, ja. Das war mein großes Glück, ich konnte mich da vollständig hineinwerfen. Zudem galt ich dann einfach immer als der Typ, der sich mit diesen neuen digitalen Sachen auskannte – das war natürlich eine sehr vorteil­hafte Position für mich.
Wired ist doch damals gar nicht in Deutschland gelauncht worden, oder?
Nein, ist es nicht. Ich habe für Gruner & Jahr das Dummy gebaut und es gab dann eine heiße Phase, in der das Magazin als gemeinsame Sache vom Spiegel und dem US-Original hier auf den Markt kommen sollte. Es wurden schon spektakuläre Büroräume in Berlin ins Auge gefasst und die Crème de la Crème der deutschen Internet-Szene zur Mitarbeit verpflichtet. Ich war zu diesem Zeitpunkt zwar Medienredakteur bei der Woche, hätte mich aber sofort nach Berlin aufgemacht – das Projekt ist jedoch schon vor seinem Start gescheitert.
Was war damals am Journalismus so spannend für Dich?
Im Grunde war es die einmalige Chance, diese digitale Revolution intel­lektuell und erklärend zu begleiten. Damals begannen diese immensen Zukunftsthemen um uns herum wichtig zu werden. Das bedeutete auch, dass sie durchdrungen, kapiert und schließlich an alle vermittelt werden mussten. Das war natürlich eine dankbare Aufgabe für einen jungen Journa­listen, denn dabei konnte man sich profilieren, schließlich gab es ja so gut wie keine älteren oder erfahreneren Kollegen auf diesem Gebiet. Die Materie war für alle von uns neu und wirtschaftlich war das für die Print­medien durchaus eine Boom-Zeit. Die alten Medien wurden gebraucht, um das neue Medium Internet zu erklären. Immer mehr Digital-Unternehmen suchten nach Präsenz und Bekanntheit. Das spülte nicht zuletzt auch viele Anzeigen der Web-1.0-Welle in die Blätter.
Trotzdem hat es Dich dort nicht gehalten?
Über die hoch angesehene Woche hatte ich einen sehr guten Zugang zu den digitalen Machern und deren teil­weise wahnwitzigen Entwicklungen. Ich durfte alle wichtigen Kon­fe­renzen besuchen, sämtliche Internet-Visionäre kennenlernen. Dafür bin ich heute noch dankbar. Leider hatte das Blatt aber nicht die Möglichkeit, einen ange­messen großen Multimedia-Teil zu führen, wie er mir bei der Einstellung versprochen wurde. Mein damaliger Chefredakteur Manfred Bissinger hatte noch nicht mal einen Computer auf dem Schreibtisch – das hätte mich eigentlich schon beim Bewerbungsgespräch stutzig machen sollen. Später sah ich mich bei aller Aufgeschlossenheit und Modernität des Blattes doch sehr oft auf verlorenem Posten, wenn ich wieder einen von meinen noch unbe­kannten „Weltveränderern“ nicht ins Heft bekommen konnte. Irgendwo zwischen der fruchtlosen Diskussion, ob wir nicht endlich mal eine Webseite für die eigene Zeitung haben sollten, und dem Weggang meines Förderers Oliver Herrgesell habe ich dann meine Sachen gepackt und bin für ein Jahr nach San Francisco gegangen. Dort habe ich mich geradezu an der vibrie­renden Szene aufgetankt, habe mir tolle journa­listische Produkte wie Wired und Salon.com von innen angeschaut und von dort aus für deutsche Zeitungen und Magazine geschrieben.
Im vollständigen Interview erzählt Wolfgang Macht noch viel mehr interessante Geschichten und einige Erfolgsgeheimnisse. Außerdem gibt es im ganzen Buch noch 19 weitere interessante Unternehmer/innen kennenzulernen.

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